Mutig & engagiert: ein literarisch-historischer Abend
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- vor 6 Tagen
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Am Freitag, den 28. November 2025, fand im Bürgerzentrum Windeck ein literarisch-historischer Abend unter dem Titel „Mutig & engagiert“ statt. Im Mittelpunkt stand der widerständige Einsatz gegen den Nationalsozialismus – erzählt anhand von Literatur, Musik, historischen Quellen und regionalen Bezügen.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Bürgerzentrum Windeck (BüZe), der Gemeinde Windeck, der Heinrich-Böll-Stiftung NRW und KIWi e.V. organisiert und von einem interessierten Publikum besucht. Fotografisch begleitet wurde der Abend von Michael Patt aus Windeck.
Auftakt im Ernst-Moritz-Roth-Museum
Dem Abend im Bürgerzentrum ging ein gemeinsamer Besuch im Ernst-Moritz-Roth-Museum in Windeck-Dattenfeld voraus. Vertreter*innen der Heinrich-Böll-Stiftung NRW, Aktive aus dem Bürgerzentrum Windeck sowie Bürgermeisterin Alexandra Gauß lernten dort das Museum und die Person Ernst Moritz Roth näher kennen.
Roth lebte und wirkte mehrere Jahre in Windeck-Dattenfeld. Als katholischer Priester, Künstler und Lyriker stellte er sich offen gegen die Ideologie des Nationalsozialismus und geriet dadurch früh ins Visier des Regimes. Seine Predigten, Texte und seine Haltung machten deutlich, dass er die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten nicht mittragen wollte. Ernst Moritz Roth kam im März 1945 während eines Luftangriffs in Windeck-Dreisel ums Leben.
Das Museum zeigt, dass Widerstand gegen den Nationalsozialismus nicht nur „woanders“, sondern auch hier in Windeck stattgefunden hat – durch Menschen, die Haltung gezeigt haben.
Preisverleihung „Der Heinrich“
Ein Höhepunkt des Abends war die Verleihung des 18. Initiativenpreises „Der Heinrich“. Ausgezeichnet wurde das Bürgerzentrum Windeck, das sich seit vielen Jahren mit vielfältigen Projekten für gesellschaftlichen Zusammenhalt, kulturelle Bildung und bürgerschaftliches Engagement einsetzt.
Literatur, Musik und historische Beiträge
Gestaltet wurde der Abend von KIWi e.V., die unterschiedliche literarische und historische Quellen miteinander verbanden und sehr eindrücklich dem Publikum vermittelten. Die literarischen Texte und historischen Beiträge wurden durch musikalische Beiträge des Rochus-Chors Windeck begleitet, der dem Abend eine besondere Atmosphäre gab und die Inhalte klanglich rahmte.
Besonders eindrucksvoll war die Vortragung des Liedes „Sage nein!“ von Konstantin Wecker, das als Gedicht vorgetragen wurde. Der Text richtet sich klar gegen Mitlaufen und Wegsehen und fordert dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Zeilen wie „Sag nein, wenn sie verlangen, dass du wegschaut“ verliehen dem Abend eine spürbare emotionale Tiefe.
Ergänzt wurde dies durch einen Vortrag über Ernst Moritz Roth als Künstler im Widerstand, der zeigte, wie eng seine literarische und künstlerische Arbeit mit seiner politischen Haltung verbunden war.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit der Hitlerjugend. In einem historischen Beitrag wurde deutlich, wie gezielt junge Menschen vom NS-Regime geprägt und gebunden wurden. Sinngemäß wurde dabei eine Aussage von Joseph Goebbels aufgegriffen, nach der die Jugend so geformt werden sollte, dass sie sich dem Regime ein Leben lang verbunden fühlt.
Besonders eindrücklich waren zudem Erinnerungen aus den Memoiren einer Ordensschwester, die schilderten, wie sie ihre Zeit in der Windecker Hitlerjugend erlebte – und schließlich erkannte, dass es sich um Blendwerk handelte.
Ein besonderer Film mit regionalem Bezug
Ein besonderer Moment des Abends war die Vorführung eines kurzen historischen Stummfilms, der ursprünglich von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken genutzt wurde. Der Film zeigte Bilder aus der Region – von der Sieg, aus Windeck, durch den Rhein-Sieg-Kreis bis hin zum Drachenfels – und dokumentierte unter anderem Märsche von Hitlerjugend-Gruppen.
Gerade der starke lokale Bezug machte den Film für viele Besucher*innen besonders eindrücklich: vertraute Orte wurden als Teil nationalsozialistischer Inszenierung sichtbar.
Möglich wurde die Vorführung durch Rainer Land, der den Film über viele Jahre hinweg recherchierte und versuchte, ihn aus Archiven zugänglich zu machen. Die Beschaffung war aufwendig und langwierig. Umso besonderer war es, dass dieser Film an diesem Abend gezeigt werden konnte.
Warum das Thema heute relevant ist
Der Abend machte deutlich, dass es bei der Auseinandersetzung mit Geschichte nicht um Vergangenheit allein geht, sondern um Fragen, die sich auch heute stellen: Wer beeinflusst junge Menschen – und wie erkennen sie, wann sie benutzt werden?
Gerade der starke Fokus auf Jugend, Prägung und Verantwortung verlieh dem Abend eine besondere Aktualität und machte ihn für viele Besucher*innen nachvollziehbar und eindrücklich.
Dank an alle Beteiligten
Ein herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben: dem Bürgerzentrum Windeck, der Gemeinde Windeck, der Heinrich-Böll-Stiftung NRW und KIWi e.V. für die gemeinsame Planung und Umsetzung.
Dank gilt außerdem dem Rochus-Chor Windeck für die musikalische Gestaltung, Rainer Land für die jahrelange Recherche und Bereitstellung des historischen Films sowie Michael Patt für die fotografische Begleitung des Abends.
Nicht zuletzt danken wir allen Mitwirkenden und Besucher*innen, die sich auf die Auseinandersetzung mit Geschichte eingelassen und den Abend durch ihre Aufmerksamkeit und Gespräche mitgetragen haben.































